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Bericht der Dorstener Zeitung vom 20.02.11

 

Prickelnde Beziehungen

Versöhnung über den Gräbern wuchs sich zur quicklebendigen Freundschaft aus

DORSTEN. Es war der Dorstener Realschullehrer Franz Sternemann, der Mitte der 60er Jahre mit seinen Schülern die Hand zur „ Versöhnung über den Gräbern“ ausstreckte und damit die Basis für eine quicklebendige Partnerschaft baute.

 

 

Jugendliche aus Dorstens Partnerstädten – auch aus Dormans – beteiligten sich an dem Europäischen

Jugendforum, ein Bestandteil der partnerschaftlichen Beziehungen

Anders als in Dorstens Partnerschaft mit Ernée wird die zu Dormans nicht von Vereinen getragen: „In Dormans liefen von Anfang an die Kontakte über den Schüleraustausch“, konstatiert Arno Hartmann, 1. Vorsitzender der DeutschFranzösischen Gesellschaft (Schwerpunkt Dormans). 40 Schüler und Schülerinnen der GerhartHauptmannRealschule und der Beruflichen Schulen aus Dorsten beteiligten sich 1965 mit Franz Sternemann an  dem Jugendlager, das der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unter dem Leitwort „Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ in der französischen MarneGemeinde Dormans durchführte. Tagtäglich  arbeiteten die Jugendlichen auf dem Soldatenfriedhof, der rund 4000 Gräber zählt. In den darauffolgenden Jahren wiederholte sich das Projekt. Argwohn und Skepsis der einheimischen Familien gegenüber den  Deutschen, die in den Weltkriegen Tod, Zerstörung und unsägliches Leid in ihr Land gebracht hatten, begann zu bröckeln wie die „Mauer“ zwischen den Gräbern: „Früher trennte eine Hecke den deutschen vom  französischen Teil des Friedhofes“, berichtet Arno Hartmann, „doch die ist längst verschwunden.“

Zum Klingen gebracht

Erste persönliche Kontakte, erste zarte Freundschaftsbande begannen zu wachsen, wurden buchstäblich zum Klingen gebracht, denn gemeinsame Konzerte von Musikern aus Dorsten und Dormans standen seit Beginn der 70er Jahren regelmäßig auf dem Programm. Am 29. Mai 1981 wurde die „Versöhnung über Gräbern“ dann in Dorsten, am 18. Oktober des selben Jahres in Dormans, durch eine offizielle Partnerschaft besiegelt. Dass die  Musik wahrhaft einen anderen Ton in die von Kriegserinnerungen überschattete Partnerschaft brachte, ist sicherlich auch der von Franz Sternemann initiierten „Orgelaktion“ zu verdanken: „Für die Reparatur der alten  Orgel in der Stadtkirche St. Hippolyte hat der mittlerweile verstorbene Franz Sternemann einen Dorstener Orgelbauer vermitteln können“, erzählt Arno Hartmann. Drei Monate lang habe Herbert Vogel bei einer Familie  in Dormans gelebt, bis die letzte Pfeife sauber „orgelte“.

1976 Austausch

Durch den 1976 geschlossenen Schüleraustausch zwischen der Gesamtschule Wulfen und dem Collège Claude Nicolas le Doux rutschte auch Französischlehrer Arno Hartmann mit ins Boot. „Bis auf eine Pause von 2004  bis 2006 hat in jedem Jahr eine Gruppe Gesamtschüler und schülerinnen ihre Partner in Dormans besucht und eine Gruppe aus Dormans ihre Freunde hier in Wulfen“, berichtet der Lehrer im Ruhestand. Insgesamt könne man von ca. 700 Schülern und Schülerinnen ausgehen, die sich bis heute gegenseitig besucht hätten. Das nächste Treffen in Dormans ist auch schon geplant, für Anfang April 2011.

Schöne Tradition

Die schöne Tradition, das alljährliche Fest des St. Crèpin in Dormans mit Würstchen von Ferdi Sax und Kuchen von Eberhard Riedel zu bereichern, wird heute nicht mehr gepflegt. Dafür beleben andere Kontakte die  deutschfranzösische Freundschaft: „Das Europäische Jugendforum mit Beteiligung von elf Schülern und Schülerinnen aus Dormans im vergangenen Jahr war ein echter Erfolg“, sagt Arno Hartmann. Auch die Kontakte  zwischen den beiden Bürgermeistern, Lambert Lütkenhorst und Christian Bruyen, seien wieder regelmäßiger geworden. Bei der LocalHeroesWoche im vergangenen September prosteten sich die beiden auf der  Marktplatzbühne mit einem Gläschen Champagner zu. Apropos Champagner: Die Erfahrung zeigt, dass nach zwei, drei prickelnden Gläschen die Verständigung meist auch ohne fundierte Sprachkenntnisse wunderbar klappt.

Anke KlapsingReich

            

                                                                                                               Das Schloss in Dormans, eingebettet in Weinbergen.

 

Feier zum Jubiläum noch offen

Dorsten/Dormans

30 Jahre Städtepartnerschaft Dorsten Dormans, dieses Jubiläum steht in diesem Jahr vor der Tür. Ob es gefeiert wird? „Bislang haben wir noch nichts

aus Dormans gehört“, will Arno Hartmann von der DeutschFranzösischenGesellschaft (DFG) erst einmal abwarten. 2004 fand in Dormans ein

Gedenktag anlässlich des 90.  Jahrestages der Marneschlacht mit Dorstener Beteiligung statt. Zur Feier der „silbernen Städtepartnerschaft“ hatte es

2006 einige Misstöne gegeben. Die ursprünglich in Dormans geplante Veranstaltung war von offizieller Seite kurzfristig abgesagt worden. Gefeiert

 wurde aber trotzdem  noch: In der Lippestadt machten Dorstener und Dormanesen eine zünftige Jubiläumsparty. Im selben Jahr führte die Dorstener

Künstlerin Gisela Paul  ein Projekt im Rahmen von „Mural global“ durch. Mit Kindern und Jugendlichen erstellte sie in Dormans ein Wandgemälde

sowie ein  überdimensionales Transparent, das in Dorsten seinen Platz fand.

sing

Bürgermeistern Lambert Lütkenhorst und der Bürgermeister von Dormans, Christian Bruyen, stießen in der LocalHeroesWoche

im vergangenen September auf der Marktplatzbühne mit einem Gläschen Champagner an. RNFoto (Archiv) Glöckner

 

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