DORSTEN. Es war der Dorstener Realschullehrer Franz
Sternemann, der Mitte der 60er Jahre mit seinen Schülern die Hand zur „
Versöhnung über den Gräbern“ ausstreckte und damit die Basis für eine
quicklebendige Partnerschaft baute.
Jugendliche aus Dorstens Partnerstädten – auch aus Dormans – beteiligten sich an
dem Europäischen
Jugendforum, ein Bestandteil der partnerschaftlichen Beziehungen
Anders als in Dorstens Partnerschaft mit Ernée wird die zu
Dormans nicht von Vereinen getragen: „In Dormans liefen von Anfang an die
Kontakte über den Schüleraustausch“, konstatiert Arno Hartmann, 1. Vorsitzender
der DeutschFranzösischen Gesellschaft (Schwerpunkt Dormans). 40 Schüler und
Schülerinnen der GerhartHauptmannRealschule und der Beruflichen Schulen aus
Dorsten beteiligten sich 1965 mit Franz Sternemann an dem Jugendlager, das
der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unter dem Leitwort „Versöhnung über
den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ in der französischen MarneGemeinde Dormans
durchführte. Tagtäglich arbeiteten die Jugendlichen auf dem
Soldatenfriedhof, der rund 4000 Gräber zählt. In den darauffolgenden Jahren
wiederholte sich das Projekt. Argwohn und Skepsis der einheimischen Familien
gegenüber den Deutschen, die in den Weltkriegen Tod, Zerstörung und
unsägliches Leid in ihr Land gebracht hatten, begann zu bröckeln wie die „Mauer“
zwischen den Gräbern: „Früher trennte eine Hecke den deutschen vom
französischen Teil des Friedhofes“, berichtet Arno Hartmann, „doch die ist
längst verschwunden.“
Zum Klingen gebracht
Erste persönliche Kontakte, erste zarte Freundschaftsbande
begannen zu wachsen, wurden buchstäblich zum Klingen gebracht, denn gemeinsame
Konzerte von Musikern aus Dorsten und Dormans standen seit Beginn der 70er
Jahren regelmäßig auf dem Programm. Am 29. Mai 1981 wurde die „Versöhnung über
Gräbern“ dann in Dorsten, am 18. Oktober des selben Jahres in Dormans, durch
eine offizielle Partnerschaft besiegelt. Dass die Musik wahrhaft einen
anderen Ton in die von Kriegserinnerungen überschattete Partnerschaft brachte,
ist sicherlich auch der von Franz Sternemann initiierten „Orgelaktion“ zu
verdanken: „Für die Reparatur der alten Orgel in der Stadtkirche St.
Hippolyte hat der mittlerweile verstorbene Franz Sternemann einen Dorstener
Orgelbauer vermitteln können“, erzählt Arno Hartmann. Drei Monate lang habe
Herbert Vogel bei einer Familie in Dormans gelebt, bis die letzte Pfeife
sauber „orgelte“.
1976 Austausch
Durch den 1976 geschlossenen Schüleraustausch zwischen der
Gesamtschule Wulfen und dem Collège Claude Nicolas le Doux rutschte auch
Französischlehrer Arno Hartmann mit ins Boot. „Bis auf eine Pause von 2004
bis 2006 hat in jedem Jahr eine Gruppe Gesamtschüler und schülerinnen ihre
Partner in Dormans besucht und eine Gruppe aus Dormans ihre Freunde hier in
Wulfen“, berichtet der Lehrer im Ruhestand. Insgesamt könne man von ca. 700
Schülern und Schülerinnen ausgehen, die sich bis heute gegenseitig besucht
hätten. Das nächste Treffen in Dormans ist auch schon geplant, für Anfang April
2011.
Schöne Tradition
Die schöne Tradition, das alljährliche Fest des St. Crèpin in
Dormans mit Würstchen von Ferdi Sax und Kuchen von Eberhard Riedel zu
bereichern, wird heute nicht mehr gepflegt. Dafür beleben andere Kontakte die
deutschfranzösische Freundschaft: „Das Europäische Jugendforum mit Beteiligung
von elf Schülern und Schülerinnen aus Dormans im vergangenen Jahr war ein echter
Erfolg“, sagt Arno Hartmann. Auch die Kontakte zwischen den beiden
Bürgermeistern, Lambert Lütkenhorst und Christian Bruyen, seien wieder
regelmäßiger geworden. Bei der LocalHeroesWoche im vergangenen September
prosteten sich die beiden auf der Marktplatzbühne mit einem Gläschen
Champagner zu. Apropos Champagner: Die Erfahrung zeigt, dass nach zwei, drei
prickelnden Gläschen die Verständigung meist auch ohne fundierte
Sprachkenntnisse wunderbar klappt.
Anke KlapsingReich

Das Schloss in Dormans, eingebettet in Weinbergen.
Feier zum Jubiläum noch offen
Dorsten/Dormans
30 Jahre Städtepartnerschaft Dorsten Dormans, dieses Jubiläum
steht in diesem Jahr vor der Tür. Ob es gefeiert wird? „Bislang haben wir noch
nichts
aus Dormans gehört“, will Arno Hartmann von der
DeutschFranzösischenGesellschaft (DFG) erst einmal abwarten. 2004 fand in
Dormans ein
Gedenktag anlässlich des 90. Jahrestages der Marneschlacht
mit Dorstener Beteiligung statt. Zur Feier der „silbernen Städtepartnerschaft“
hatte es
2006 einige Misstöne gegeben. Die ursprünglich in Dormans
geplante Veranstaltung war von offizieller Seite kurzfristig abgesagt worden.
Gefeiert
wurde aber trotzdem noch: In der Lippestadt machten
Dorstener und Dormanesen eine zünftige Jubiläumsparty. Im selben Jahr führte die
Dorstener
Künstlerin Gisela Paul ein Projekt im Rahmen von „Mural
global“ durch. Mit Kindern und Jugendlichen erstellte sie in Dormans ein
Wandgemälde
sowie ein überdimensionales Transparent, das in Dorsten
seinen Platz fand.
sing

Bürgermeistern Lambert Lütkenhorst
und der Bürgermeister von Dormans, Christian Bruyen, stießen in der
LocalHeroesWoche
im vergangenen September auf der Marktplatzbühne mit einem
Gläschen Champagner an. RNFoto (Archiv) Glöckner